Taper-Fake und Zinserhöhungs-Missverständnis

Onlinekonferenz vom 27.03.2014 goldsilbershop.de

Keimte vor kurzem noch die Zuversicht auf, dass die monetären Edelmetalle Gold und Silber ihre Abwärtstrends verlassen und die Trendwende nach mehrjähriger Korrektur nun endlich schaffen würden, so hat diese Hoffnung mit dem jüngsten Preisrücksetzer einen ordentlichen Dämpfer erhalten. Dabei lief seit Beginn des Jahres alles nach Plan: Gold konnte seinen mittelfristigen Abwärtstrend und die gleitende Zweihunderttagedurchschnittslinie nach oben durchbrechen, sogar ein unter Charttechnikern viel beachtetes „Goldenes Kreuz" bildete sich durch das Durchschneiden der Fünfzigtagedurchschnittsline durch die Zweihunderterdurchschnittslinie.
Silber konnte immerhin seinen Zweihunderttage-Durchschnitt überwinden und bis in die Region von 22 US-Dollar pro Unze vorstoßen. Rückenwind erhielten die als Krisenwährungen favorisierten Metalle dabei auch von der Eskalation der Krise in der Ukraine und auf der Krim.

Physische Nachfrage auf Rekordniveau
Widererwarten bewegte sich im ersten Quartal auch die physische Nachfrage nach Münzen und Barren erneut auf Rekordniveau. Dies galt sowohl für die Nachfrage im Westen (siehe die jüngsten Absatzzahlen der US-Mint) aber vor allem für die Nachfrage aus den Schwellen- und Rohstoffländern. So stieg überraschend der Irak mit 36 Tonnen Gold zum größten staatlichen Käufer im ersten Quartal auf. Sogar Russland, das wegen der Wirtschaftssanktionen unter finanziellem Druck steht, baute unbeirrt seine Bestände um weitere 7 Tonnen auf insgesamt 1.035 Tonnen aus.
Besonders beeindruckend fielen die Nachfragezahlen aus China aus, dessen Gesamtimporte im ersten Quartal auf ca. 430 Tonnen (via Hong Kong und Shanghai) gestiegen sind. Im gesamten ersten Quartal beträgt das Importplus ca. 30 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
Und sogar die physisch hinterlegten Exchange Traded Funds, die im letzten Jahr mit insgesamt 881 Tonnen zum Weltgoldangebot beitrugen, absorbierten im ersten Quartal netto wieder Gold. Die Bestände der Silber ETFs bewegen sich sogar wieder Richtung Rekordvolumina.

Eingetrübte Stimmung
Aber warum trübte sich die Stimmung an den Edelmetallmärkten dann so schnell wieder ein? Nun, erstens gibt es aktuell keine weitere militärische Eskalation in der Ukraine-Krise, zweitens schockte die neue US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen die Märkte mit einer vermeintlich konkreten Zinserhöhungsankündigung für April/Mai 2015 und zum Dritten reduzierte die Fed auf ihrer jüngsten Sitzung im März erneut ihr Wertpapierankaufvolumen um 10 Mrd. US-Dollar auf nun 55 Mrd. US-Dollar pro Monat.

Missverständnis und Täuschung
Zwei für Edelmetalle sehr bullische Tatsachen bezüglich der US-Geldpolitik konterkarieren aber die momentan noch eingetrübte Stimmung der Edelmetallinvestoren.
Frau Yellen fühlt sich nämlich vom Markt bezüglich ihrer Äußerungen zu konkreten Zinserhöhungsplänen missverstanden und meinte die diesbezügliche Ankündigung gar nicht als solche, sondern lediglich als unverbindliche Formulierung auf die Frage eines Journalisten, der sie unbedingt auf ein Datum für den ersten Zinsschritt nach oben festnageln wollte. Die Antwort von Frau Yellen war auch weniger konkret als in den Finanzmedien dargestellt. Daher fühlte sich die neue Fed-Präsidentin nun genötigt darauf hinzuweisen, dass die US-Volkswirtschaft eben noch lange nicht bereit ist für eine restriktivere Geldpolitik. Dabei zählte sie bei einer Rede in Chicago am 31. März gleich fünf Gründe auf, warum sie weiterhin eine für die US-Wirtschaft unterstützende Geldpolitik für notwendig erachtet, weil:

1. Die US-Wirtschaft immer noch mit einer "erheblichen Flaute" kämpft
Erheblich mehr Menschen in den USA "fähig und gewillt" seien zu arbeiten, als Jobs verfügbar wären
2. Die Lage noch nicht so günstig ist, wie es die Arbeitslosenquote von zuletzt 6,7% vermuten lasse, aufgrund der vielen Teilzeitbeschäftigen
3. "Die Erholung fühlt sich für viele Amerikaner noch immer wie eine Rezession an."
4. Das Ziel Vollbeschäftigung "bei weitem" noch nicht erreicht sei

Wenn man sich die Entscheidungen der jüngsten Fed-Sitzung genauer anschaut, dann ist auch eigentlich das Gegenteil einer restriktiveren Geldpolitik entschieden worden. Denn bislang war vorgesehen, ab dem Erreichen einer Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent automatisch den Leitzinssatz (Fed Fund Rate) anzuheben. Dieser Automatismus wurde aber einfach suspendiert, Frau Yellen machte in ihrer Rede an Hand der fünf genannten Gründe ja auch deutlich warum.

Noch bullischer ist aber eine andere Tatsache und die betrifft die Geldmengenausweitung durch die Fed. Das Tapering wird nämlich durch andere geldpolitische Operationen stark überkompensiert. So weitete sich die Basisgeldmenge gemäß jüngster verfügbarer Daten vom Ultimo Februar auf Jahresbasis um atemberaubende 34,73 Prozent aus. Noch im Monat der ersten Ankündigung des Taperns durch Yellens Vorgänger Ben Bernanke im Mai letzten Jahres betrug die Geldmengensteigerungsrate lediglich 19,13 Prozent. Was ist passiert? Ganz einfach: Die Fed-Arbitrage kommt immer stärker ins Spiel. Damit sich die Notenbank politisch korrekt aus der direkten Staatsfinanzierung zurückziehen kann, ohne dass die Anleihenachfrage einbricht, bedient man sich eines Strohmanns. In diesem Fall sind das die Geschäftsbanken, die mit der Fed Geschäfte machen und sich dort refinanzieren können (Repo-Geschäfte).

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Das Perpetuum Mobile der Staatsfinanzierung
Bei dem sogenannten Wertpapierpensionsgeschäft können Geschäftsbanken gekaufte Wertpapiere, bevorzugt Staatsanleihen mit bester Bonität, bei der Notenbank als Kreditsicherheit hinterlegen und mit dem erhaltenen Geld neue Anleihen kaufen. Dieses Geschäft lohnt sich dann, wenn der Zins für diesen Wertpapierkredit geringer ist als der Zinskupon der Anleihe, den die Bank weiterhin vereinnahmen darf. Hieraus ergibt sich ein extrem lukratives, weil unlimitiertes Geschäft für die Banken.
Dabei kauft eine Bank Anleihen, zum Beispiel US-Treasuries. Sie vereinnahmt einen Zinskupon von aktuell jährlich 2,7 Prozent. Sie hinterlegt die Anleihen nun bei der US-Notenbank und nimmt in entsprechender Höhe einen Kredit zum Refinanzierungssatz auf, der aktuell effektiv bei 0,06 Prozent liegt. In diesem Moment schöpft die US-Notenbank neues Geld, dass die Bank erhält (Kreditgeld). Die sogenannte Fed-Arbitrage-Marge für die Geschäftsbank beträgt dabei aktuell also +2,64 Prozent pro Transaktion.

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Dieses Geschäft ist deshalb unlimitiert möglich, und damit theoretisch auch die Finanzierung der Staatsschulden, weil Geschäftsbanken so viele Staatsanleihen kaufen können, wie eben angeboten werden, da Treasuries nicht als Risikokapital gelten und deshalb nicht die bilanzielle Eigenkapitalquote der Bank belasten. Natürlich bläht sich ihre Bilanz, ebenso wie die der Fed, weiter auf. Das gleiche gilt für die Geldmenge und die Staatsschulden. Da jedoch bei diesem Geschäft die Notenbanken, die Geschäftsbanken und der Staat immer stärker in ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis geraten, müssen die Banken weder Zinserhöhungen noch Pleiten fürchten. Die Politik hat sich längst durch die Banken korrumpieren lassen und umgekehrt natürlich genauso.
Das offizielle Tapering wird damit zur Show für die Kulisse und beeinträchtigt das Geldmengenwachstum in keinster Weise negativ.
Ein Grund mehr, eine private Vermögensreserve in nicht staatlich sanktioniertem Geld zu halten - in Gold und Silber.


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Über die GoldSilberShop.de GmbH:
Die GoldSilberShop.de GmbH wurde 2012 gegründet und ist eine Tochtergesellschaft der Finanzdienstleistung-Holding VSP Financial Services AG aus Wiesbaden. Die Gesellschaft offeriert unter www.goldsilbershop.de online Direktanlagen in Gold- und Silberbarren bzw. -münzen sowie dazu passende Lagerlösungen und Diamanten. Der Versand erfolgt sicher und direkt an den Anleger nach Hause. Als Mitglied des Berufsverbands des Deutschen Münzenfachhandels e. V. ist die Gesellschaft bestrebt, auch Aufklärungsarbeit für Edelmetall-Investments zu leisten.

Über Hannes Zipfel als Autor der Marktanalyse:
Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Geldtheorie war Hannes Zipfel als Financial Adviser für die deutsche Direktbanktochter Cortal Consors S.A. der französischen Großbank BNP Paribas tätig. Er war maßgeblich am Aufbau des Bereichs Anlageberatung beteiligt und als Manager Anlagestrategie mitverantwortlich für die Allokation der Musterportfolios. Zudem fungierte Hannes Zipfel als Mitglied des Anlageausschusses und Fachreferent für Finanzmarktthemen. 2006 machte sich Zipfel als Fachreferent selbständig und war u. a. Autor der Monatspublikation "Finanzmärkte aktuell - Konjunktur, Märkte, Portfolio". 2008 wurde Zipfel als Vorsitzender des Asset Management Ausschusses der Top Ten Portfolio Management GmbH berufen und übernahm 2010 die Position des Chefökonomen bei der MK Luxinvest S.A. in Luxemburg. Seit dem 1. Januar 2011 ist Hannes Zipfel Vorstand und Chefökonom der VSP Financial Services AG in Wiesbaden sowie als Chefökonom der GoldSilberShop.de GmbH tätig.

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